Artist Statement

Ausgebildet in der klassischen Ölmalerei, umfasst meine Masterarbeit schon Relexionen über die Darstellung des menschlichen Körpers, als allumfassendes Canon der Renaissance, in unkonventionellen, zeitgenössigen Szenarien. Collagen verfügen über eine bedeutende Relevanz in der Findung dieser, oft befremdlichen, eigensinnigen Kompositionen. Im Laufe meines Schaffens gewinnt das Portrait zunehmens Platz in meiner Ausdrucksweise. Es brauchte eine gewisse Zeit bis ich den Mut hatte, das Gelernte über Mimik, Ausdruck und Zeichentechnik, auf die Leinwänd zu überbringen. Zeitgleich war die Bekanntschaft mit dem deutschen Künstler Matthias Kroth für mich massgebend, da er in mir die Faszination für grossformatige Malerei entfachte. So wurden die Portraits immer grösser und mutiger, vielschichtiger und farbenreicher. Erst später erspäte ich Fotos der ersten Bühnenbilder die mein Grossvater vor und nach dem Krieg in Theater-und Gemeindesällen quer durchs Land entwickelt und skizziert hatte.

Das Ziel meiner Malerei bleibt immer gleich: die Erfahrung des Individuums, teils auch meine Erfahrungen im zeitgenössischen Geschehen zu entwirren indem Geheimnisse, Ängste, Sehnsüchte der menschlichen Seele Schritt für Schritt entblösst werden. Jedes Porträt zeigt den Konflikt zwischen der Persona und der Anima: erstarrt, erlöst, gezwungen, ertappt, gebeugt, gestreckt, begrenzt, stählernd, zart, trainiert, weich, eckig, rund, gesund, schwach,  gefangen, gelöst, gezeichnet. Zudem lässt mich meine Arbeit als Kunsttherapeutin, die ich zu einem Drittel meiner Tätigkeit ausführe, tief in die Beweggründe der menschlichen Seele blicken was meine Sicht auf Geschehnisse oftmals beeinflusst. Dies hinterlässt einen « Footprint », freiwillig, toleriert, sogar teils akzeptiert als weitere wichtige Inspirationsquelle, als Erkenntnisquelle in der persönlichen Suche.

Eine weitere wichtige Inspirationsquelle ist das Werk des schwedischer Drehbuchautor, Film- und Theaterregisseur Ingmar Bergman, dessen Werk « Persona » eine Revelation für mich war. Die Filmkunst im allgemeinen ist ein wichtiger Bestandteil meiner Recherchen. Insbesondere noch zu erwähnen ist das Werk  « Die Passion der Jungfrau von Orléans » von Carl Theodor Dreyer aus dem Jahr 1928. Ich war gerade 20 Jahre alt als mich dieses Werk verschlungen hat und meinen Eifer für das Portraitzeichnen mit all seinen vielseitigen Fazetten nährte.

Wie schon angedeutet ist die Technik der Collage ein immerwährender Wegbegleiter. Mal dienen sie als Vorlage, Skizze, als  Inspirationsquelle, mal gar als eigenständiges Werk. Das Suchen und Finden als treibende Kraft, lässt mich immer wieder erneut erstaunt zurück. Die Fotografie benutze ich als Medium um verschiedene Motive zu sammeln. Aus Ferien-und Feierfotos, aus Natur-und Familienfotos filetiere ich Details und kombiniere sie mit Auszügen aus Zeitschriften und Magazinen. Die Collage ermöglicht mir ein neuartiges Szenario zu erschaffen wobei die dargestellten Elemente ihre ursprüngliche Bedeutung verlieren und eine andere Identität annehmen. Das Ergebnis ist ein Konstrukt das eine andere Realität wiederspiegelt.

Im Jahr 2020 kam es so zu sagen zur Symbiose der beiden Techniken. Meine Werke stellen sich zusammen aus Collagen als einmalige Reproducktion in Druckform auf Vinyl Werbebanner. Die Portraits, oder « Akteure » die diese zusammengestzte Szenerien bewohnen, sind nachträglich angebracht, interagieren und initieren durch ihre Haltung und Gesichtsausdrücke. Die grossformatigen Oberflächen laden zugleich den Betrachter ein, als « Akteur » dem Dargestellten beizuwohnen.

Zeitgenössisches Madrigal
„Ich bin Malerin, genauer gesagt Porträtmalerin.“

Mein Kunstatelier befindet sich im Herzen der mittelalterlichen Stadt Vianden im Norden Luxemburgs. Die Atmosphäre hier ist bezaubernd, fesselnd und überraschend, was diesen Ort umso inspirierender für mein künstlerisches Schaffen macht.

Meine Arbeit ist daher stark von luxemburgischen Traditionen und dem zeitgenössischen Leben geprägt. Sie zielt darauf ab, die Erfahrungen des Individuums innerhalb der Gesellschaft zu beleuchten und sich dabei mit den Geheimnissen und den Ängsten der menschlichen Seele auseinanderzusetzen. Meine Kunst steht in der Tradition der narrativen Malerei, wobei jedes Porträt den Konflikt zwischen der Persona und der Anima offenbart.

In dieser Serie greife ich auf die Gesellschaft des Barock im 17. und 18. Jahrhundert zurück, um die emotionalen und sozialen Erfahrungen der Menschen sowie ihre Entwicklung in kritischen Lebensphasen und ihre Reaktionen auf gesellschaftspolitische Ereignisse zu reflektieren.

CORINNE GOETZ – CG KONSTATELIER – KÜNSTLERISCHES STATEMENT

Die Atmosphäre Viandens mit seinem majestätischen Schloss ist zweifellos eine wesentliche und zentrale Inspirationsquelle. Die Epoche des Barock erzählt von zwei gegensätzlichen gesellschaftlichen Welten – eine Ambivalenz, die auch heute noch oder vielmehr erneut sehr präsent ist.

Auf der einen Seite stehen jene, die Trost suchen und sich in ihrem Leid der Religion zuwenden. Ein anderer Teil der Gesellschaft hingegen wendet sich den materiellen Freuden des Lebens und dem Drang nach Glanz und Prachtentfaltung zu. Es ist eine elitäre, dem äußeren Schein verfallene Kultur mit prachtvoll verzierten Gewändern, ausladenden Röcken und Perücken sowie eindrucksvoll gestalteten Sälen und Räumen, in denen man sich festlichen Zeremonien, Orgien, Drogenexperimenten und dem Glücksspiel hingibt.

„Der Staat bin ich“ lautet der berühmte Ausspruch des selbsternannten Sonnenkönigs – eine Selbstinszenierung, die ihresgleichen sucht. Und doch findet diese Haltung eines egozentrischen, narzisstischen Herrschers gegenüber seinem Volk bedauerlicherweise auch in unserer heutigen Zeit ihren Widerhall.